Die Foto-Dokumentation der bisherigen LABORa Gottesdienste finden Sie hier.

LABORa


"Als man aufhörte zu übersetzen, hörte man auf zu bewahren." (Bruno Latour)
Um zu bewahren, braucht es Übersetzung. Die alte reformatorische Einsicht gilt auch für den Gottesdienst. Denn wenn liturgische Formen in der Gegenwart Resonanz haben sollen, müssen sie immer wieder aufs Neue befragt und übersetzt werden. 
LABORa ist das liturgische Werkstattformat der Stiftung St. Matthäus und des Zentrums für evangelische Predigtkultur. Einmal im Quartal arbeiten Künstlerinnen und Künstler im Dialog mit Theologinnen und Theologen an einem neuen Gottesdienstformat, mit dem sie die althergebrachten Formen der Liturgie auf die Probe stellen und neu übersetzen. In Anlehnung an die alte Benediktinerformel „ora et labora“, „Bete und arbeite!“, treten die Laborformate in ein kreatives Gegenüber zu den traditionellen „hORA“-Gottesdiensten der Stiftung – als experimentelles Widerlager und Quelle liturgischer Erneuerung: „hORA et LABORa“.

Eine Kooperation mit der Stiftung St. Matthäus Berlin.

Konzeption und Leitung:
Hannes Langbein, Berlin
Dr. Dietrich Sagert, Wittenberg

 



 
Eintrag vom
LABORa – Andacht
75. Todestag von Dietrich Bonhoeffer

Milko Pavlov, Facies (2020)

Mitleiden                                                                                

Man muss damit rechnen, dass die meisten Menschen nur durch Erfahrungen am eigenen Leibe klug werden.

So erklärt sich erstens die erstaunliche Unfähigkeit der meisten Menschen zu präventivem Handeln jeder Art – man glaubt eben selbst immer noch, um die Gefahr herumzukommen, bis es schließlich zu spät ist;
zweitens die Stumpfheit gegenüber fremdem Leiden; proportional mit der wachsenden Angst vor der bedrohlichen Nähe des Unheils entsteht das Mitleid.

Es lässt sich manches zur Rechtfertigung dieser Haltung sagen, ethisch: man will dem Schicksal nicht in die Räder greifen; innere Berufung und Kraft zum Handeln schöpft man erst aus dem eingetretenen Ernstfall; man ist nicht für alles Unrecht und Leiden in der Welt verantwortlich und will sich nicht zum Weltenrichter aufwerfen; psychologisch: der Mangel an Phantasie, an Sensitivität, an innerem Auf-dem-Sprunge-sein wird ausgeglichen durch eine solide Gelassenheit, ungestörte Arbeitskraft und große Leidensfähigkeit.

Christlich gesehen, können freilich alle diese Rechtfertigungen nicht darüber hinwegtäuschen, dass es hier entscheidend an der Weite des Herzens mangelt. Christus entzog sich solange dem Leiden, bis seine Stunde gekommen war: dann aber ging er ihm in Freiheit entgegen, ergriff es und überwand es. Christus – so sagt die Schrift – erfuhr alles Leiden aller Menschen an seinem Leibe als eigenes Leiden – ein unbegreiflich hoher Gedanke! –, er nahm es auf sich in Freiheit.

Wir sind gewiss nicht Christus und nicht berufen, durch eigene Tat und eigenes Leiden die Welt zu erlösen, wir sollen uns nicht Unmögliches aufbürden und uns damit quälen, dass wir es nicht tragen können, wir sind nicht Herren, sondern Werkzeuge in der Hand des Herrn der Geschichte, wir können das Leiden anderer Menschen nur in ganz begrenztem Maße wirklich mitleiden.

Wir sind nicht Christus, aber, wenn wir Christen sein wollen, so bedeutet das, dass wie an der Weite des Herzens Christi teilbekommen sollen in verantwortlicher Tat, die in Freiheit die Stunde ergreift und sich der Gefahr stellt, und in echtem Mitleiden, das nicht aus der Angst, sondern aus der befreiende und erlösenden Liebe Christi zu allen Leidenden quillt.

Tatenloses Abwarten und stumpfes Zuschauen sind keine christlichen Haltungen. Den Christen rufen nicht erst die Erfahrungen am eigenen Leibe, sondern die Erfahrungen am Leibe der Brüder um derentwillen Christus gelitten hat, zur Tat und zum Mitleiden.

(Dietrich Bonhoeffer, aus: Rechenschaft an der Wende zum Jahr 1943: Nach zehn Jahren, in: Widerstand und Ergebung. Briefe und Aufzeichnungen aus der Haft.)
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Bild-Dokumentation
Eintrag vom
LABORa – Gottesdienst
"...werden wir sein wie die Träumenden..."

Norbert Bisky, POMPA (2020)

Hannes Langbein (Liturgie, Predigt)
Anne-Catherine Jüdes, Dietrich Sagert (Lesungen)

Martin Daske (Elektronik)
Lothar Knappe (Orgel)
Lars Murasch (Licht)

Fotos: Leo  Seidel

St. Matthäus-Kirche
Im Berliner Kulturforum
26. Januar 2020 I 18 Uhr
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Bild-Dokumentation
Eintrag vom
LABORa – Gottesdienst
"Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen?"

Sven Drühl, Floating Landscapes (2019)

Marcel Köppli, Hannes Langbein (Liturgie, Predigt)
Dietrich Sagert (Lesungen, Megaphon)

Balthasar Streiff (Alphörner)
Lothar Knappe (Orgel)

Fotos: Leo  Seidel

St. Matthäus-Kirche
Im Berliner Kulturforum
29. September 2019 I 18 Uhr
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Bild-Dokumentation
Eintrag vom
LABORa – Gottesdienst
Himmelfahrt als Grenzüberschreitung

Raul Walch, Auf der Grenze (2019)

Propst Dr. Christian Stäblein (Predigt)
Pfarrer Hannes Langbein (Liturgie)
Anne-Catherine Jüdes (Lesungen)

Maureen Lopez (Tanz)
Matthias Müller (Posaune)
Lothar Knappe (Orgel)

Fotos: Stefanie Heider

St. Matthäus-Kirche
im Berliner Kulturforum
30. Mai 2019 I 18 Uhr

 
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Bild-Dokumentation
Eintrag vom
LABORa – Gottesdienst
„Wer das lesen könnt…“
(Georg Büchner, Woyzeck)

Paula Doepfner, For the trees to drop (2019)

Hannes Langbein (Liturgie, Predigt)
Dietrich Sagert (Lesung, Georg Büchner)
Lothar Knappe (Orgel, Arvo Pärt)

Fotos: Leo Seidel

St. Matthäus-Kirche
im Berliner Kulturforum
24. März 2019 | 18 Uhr
 
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Bild-Dokumentation
Eintrag vom
LABORa – Gottesdienst
"Jetzt sehen wir durch einen Spiegel in einem dunklen Wort.
Dann aber von Angesicht zu Angesicht." (1Kor 13,12)

Jorinde Voigt, Divine Territory, 2018

Vikarin Vanessa Bührmann, Pfarrrin Andrea Kuhla,
Pfarrer Hannes Langbein, Pfarrerin Barbara Manterfeld-Wormit 
(Liturgie, Predigt)

neuer chor berlin
Arndt Henzelmann (Leitung)
Lothar Knappe (Orgel)

Fotos: Leo Seidel
Teaser: Jorinde Voigt, Immersive Integral (Predawn)

St. Matthäus-Kirche
im Berliner Kulturforum
30. September 2018 | 18 Uhr

 
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Bild-Dokumentation
Eintrag vom
LABORa – Gottesdienst
"Christus ist das Licht" // "Christus ist der Erfinder der Elektrizität"

Björn Dahlem, Launch Pad (Oort), 2018

Pfarrer Hannes Langbein (Liturgie, Predigt),
Christian Jendreiko (Elektronik),
Anne-Catherine Jüdes, Marula Richter, Dietrich Sagert (Lesungen)

Fotos: Leo Seidel, Stefanie Heider (Teaser)

St. Matthäus-Kirche
im Berliner Kulturforum
17. Juni 2018 | 18 Uhr

 
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Bild-Dokumentation
Eintrag vom
LABORa – Gottesdienst
„Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“


Miguel Rothschild, De profundis, 2018
 
Pfarrer Hannes Langbein (Liturgie, Predigt)
Theo Nabicht (Kontrabassklarinette u.a.)
Orlando Rodriguez (Tanz)
Dietrich Sagert (Lesungen)

Fotos: Leo Seidel

St. Matthäus-Kirche
im Berliner Kulturforum
30. März 2018 | 18 Uhr

 
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Bild-Dokumentation